Buchpirat an Autor

Raubkopien und Urheberrechtsverletzungen (sich mit fremden Federn schmücken) gab es schon immer (auch vor der Musik- und VHS-Kassette), und wird es wohl auch immer geben, wenn wir nicht die Utopie aus Star Trek verwirklichen.

Ich weiß nicht, ob es Studien gibt, wie sich Raubkopien letztlich auswirken, ob eher positiv oder negativ. Der Produzent von Game of Thrones hat kein Problem damit, dass seine Serie so sehr runtergeladen wird, denn dadurch bleibt sie im Gespräch. Aber Medien sind unterschiedlich, das habe ich ja schon öfter erwähnt. Ob jetzt ein Autor etwas davon hat, wenn jemand sein Ebook als Raubkopie gelesen hat? Wenn er anderen darüber erzählt, kann er diesen im Anschluss ja gleich die Datei schicken. Die gedruckte Version wird er wohl nur kaufen, wenn ihm das Buch sehr gut gefallen hat. Gibt es das Buch nur als eBook, kann es wohl schlecht oder gut gewesen sein, er wird nichts nachträglich dafür berappen wollen.

Höchsten, wenn er eine Rezension schreiben würde, auf den eBook-Verkaufsplattformen, könnte derjenige etwas dem Autor zurückgeben.

Aber ich frage mich auch: Warum wird raubkopiert? Damals wie heute spielt(e) wohl das Geld eine große Rolle. Wer nichts hat, kann auch nichts kaufen. Und natürlich muss man zunächst mal darauf achten, dass es der eigenen Familie gut geht, und die auch anständig versorgt ist, bevor man egoistisch ist, und sich Sachen zur eigenen Unterhaltung (und das ist es doch meistens, machen wir uns nichts vor) kauft. Hat jemand eben nicht genug Geld für sich selbst übrig, dann kann dieser sich mit einer Raubkopie trotzdem ein wenig Unterhaltung verschaffen. Ich denke, die Hemmschwelle ist da recht gering.

Keine Ahnung, ob es andere oder bessere Gründe gibt, ich kenne keine Studien. Aber es offenbart im Prinzip doch einiges: Es fehl vielen Leuten an Geld. Denjenigen, die Inhalte schaffen, und denjenigen die Inhalte konsumieren. Und ich denke, dass genau das der Ansatzpunkt sein muss.

Zur Überschrift, da steht Buchpirat an Autor. Es geht wie neulich um den ehemaligen Captain der Buchpiraten, aber was schreibe ich denn um den heißen Brei, schließlich dürfte inzwischen fast jeder von Spiegelbest gehört haben, und wahrscheinlich um einiges früher als ich selbst. Jedenfalls hat Spiegelbest einen Brief an die Indie-Autoren von Qindie gerichtet, offiziell mit dem Segen der Plattform. Dort ist der Text wie auch in seinem Blog veröffentlicht worden, und hat wohl einiges an Staub aufgewirbelt.

Ich habe den Brief gelesen, auch schon Spiegelbests Reaktion auf die Reaktionen, aber muss gerade von den Reaktionen noch so einiges durchlesen. Ich denke, da ist noch einiges an Recherche meinerseits erforderlich, ich werde an dem Thema aber dranbleiben, weil es mich interessiert.

Anscheinend war Spiegelbest vor seiner Zeit bei Torbooks sogar noch bekannter, als während seiner Zeit dort, wie er selbst schreibt.

„Ich bin Spiegelbest und war vor meiner Zeit bei TorBoox der wohl bekannteste Buchpirat in Deutschland.“

Mir ist jetzt kein Fall bekannt, in dem ein „Pirat“ bzw. Raubkopierer sich so offen an Konsumenten wie Urheber gerichtet hat (in Interviews, durch einen Blog und mittels offenen Briefen) aber vielleicht gibt es ja irgendwo Infos dazu. Berühmtheit kann man schließlich auch auf andere Arten erlangen. Jedenfalls ist auch gerade das „Buchpirat an Autor“ (und an Konsument, Verlag, Rechteinhaber, -verwerter, …) so interessant an diesem Thema. Wie gesagt, ich bleibe dran und werde weiter meine Gedenken dazu veröffentlichen.

Und als jemand, der auch (überwiegend kann ich nicht sagen, da ich ja doch eine ordentliche Menge Games-Artikel verfasse) Fiktion schreibt, würde ich lügen, wenn ich sage, ich würde mir nicht auch das eine oder andere herauspicken, um es vielleicht mal in einer Geschichte verarbeiten zu können.

2 Gedanken zu „Buchpirat an Autor

  1. „Aber ich frage mich auch: Warum wird raubkopiert?“

    sieh es doch mal so: GELD spielt heute eine übergeordnete Rolle. Profit, Rendite, es geht doch in der Wirtschaft (Gesellschaft? Gesellschaft!) nur darum. So ist das System, in dem wir leben.

    Und das setzt sich im privaten fort, die Menschen versuchen, zu sparen, wo sie können. Nicht nur Menschen, die es sich nicht leisten können, saugen illegal. Natürlich auch die, die nichts ausgeben wollen. Ist doch logisch, bleibt mehr Geld für andere Sachen.

    Außerdem ist es heute leichter denn je, an diese Sachen zu kommen. Wer unbedarft ist, der googelt ne halbe Stunde zu diesem Thema, danach kann er eigentlich loslegen. Selbst dann plätschert er noch an der Oberfläche, aber es reicht allemal.

    • Danke für deinen Kommentar!

      Hat mir auch ein paar gute Denkanstöße gegeben, die ich mir inzwischen auch notiert habe. (Ich weiß gar nicht, wie viele Ideen mir schon verloren gegangen sind, weil ich sie nicht aufgeschrieben habe. Ist vielleicht auch besser so.)

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