Buchpiraten

In letzter Zeit konnte man das Thema ja fast nicht umschiffen: die „Buchpiraten“, ihre Homepage, und ihr „Captain“ bzw. Pressesprecher. Da tanze ein deutscher Buchpirat Amazon, den Verlagen und allen anderen Händlern auf der Nase herum, in dem er z.B. verkündete, dass sie ja inzwischen der größte eBook-Anbieter seien. Nun, der Captain ist von Bord gegangen, das Piratenschiff segelt ohne ihn weiter.

Interessant ist es in mehrfacher Hinsicht, sich mit diese Thema zu befassen. Die Seite hat nämlich einiges anders gemacht als andere Seiten, die schon dicht gemacht wurden. Die Buchpiratenseite kauft die Ebooks nämlich selbst, entfernt das DRM, und stellt sie auch selbst online, auf den eigenen Servern (so wie ich das verstanden habe). Also ohne Filehoster, ohne Uploads von Nutzern, nicht einfach nur Torrent-Links, und auch ohne Release-Gruppen. Dazu kam noch, dass man ab Oktober Geld für das Angebot verlangt hat, 10 Euro für drei Monate. Damit haben die Buchpiraten, so schätze ich es ein, so gut wie alles getan, um nur sich und niemanden sonst strafbar zu machen. Das könnte natürlich ein Grund für den Weggang sein. Zwar habe man sich gegen Aufdeckung geschützt, aber das dachten die Lulzsec-Leute auch. In Zeiten der NSA-Überwachung kann man sich bei sowas nicht sicher sein, auch wenn TOR den Angriffen der Spione noch standhält.

Der Captain hat in Interviews und seinem Blog immer wieder verlautbaren lassen, warum die „Buchpiraten“ das alles tun. Man will etwas gegen die Contentmafia tun, man tut das, was Verlage längst hätte tun sollen. Das ist natürlich etwas fragwürdig, denn Verlage können ihre Bücher ja nicht kostenlos anbieten. Eine Flatrate würde ebenfalls zu wenig Geld einbringen, und wenn, dann würde man sich nur noch auf den Bestseller-Mainstream konzentrieren, und mittlere und kleine Autoren ganz fallen lassen. Außerdem assoziiert man mit Contentmafia doch eher andere Industrien, vor allem in den USA. Ich finde, wenn man schon Raubkopien anbietet, dann sollte man auch dazu stehen, und keine Ausflüchte suchen.

Tatsache ist natürlich, dass Verlags-eBooks immer noch zu teuer sind, und dass DRM ein Problem ist, welches aber bei Verlagen und Autoren liegt. Man darf den Kopierschutz ja nicht entfernen, dennoch gibt es (kostenpflichtige) Programme dafür, man bräuchte also keine Buchpiratenseite, wenn man nur seine gekauften eBooks heimlich im stillen Kämmerlein vom DRM befreien möchte, um sie problemlos auf all seinen Geräten lesen zu können. Wenn alle Verlage und Autoren DRM-frei anbieten würden (wie es die Musikindustrie ja inzwischen auch machen muss, weil hier eben auch konsequent keine CDs mit Kopierschutz gekauft wurden, sowie in Sachen MP3 Apple mit iTunes und sogar Bill Gates persönlich ordentlich Druck machten), dann hätten die „Buchpiraten“ jedenfalls eine Ausrede weniger.

Ein Buch, das illegal heruntergeladen wird, ist immer noch kein Buch, das ansonsten verkauft worden wäre. Viele Leute können sich einfach nicht alles leisten, was sie wollen, auch weil sie von ihrem Arbeitgeber ausgebeutet werden. Da ist die Politik gefragt (und selbstverständlich, aber auch fast schon ironischerweise Blogger, Journalisten und Autoren). Geizkragen, die lieber Sprit verblasen als für Bücher etc. zu zahlen, gibt es natürlich auch immer, da lässt sich auch kaum etwas dagegen tun. Ich denke jedenfalls, dass die Buchpiratenseite hauptsächlich die Mainstream-Titel und die Gratisabgreifer bedient hat. Der Captain mag andere Intentionen gehabt haben, nämlich tatsächlich ein Zeichen gegen DRM und hohe Preise setzen, ist aber vielleicht auch wegen der Erkenntnis gegangen, dass er da ziemlich alleine dasteht.

Wer noch mehr zu dem Thema lesen will, diese Links zum Blog von Lars Sobiraj fand ich ebenfalls sehr interessant:
http://lars-sobiraj.de/benutzerschwund-torboox-verliert-vorerst-zwei-drittel-seiner-nutzer/
http://lars-sobiraj.de/torboox-wollte-amazon-in-knie-zwingen/
http://lars-sobiraj.de/selim-oezdogan-veroeffentlicht-unbemerkt-bei-torboox/

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