Urheberrecht und so

Viele Autoren, Verlage und so ziemlich alle, die „irgendwas mit Büchern“ machen, haben Angst vor dem Internet, auf den weltweiten Wellen segelnden Piraten, und ganz Besonders vor dem bislang zahlenden Kunden, wenn dieser für eine Aufweichung des Urheberrechts ist.

Man hält mich ja gerne mal für einen schwedischen Kleinkriminellen, daher kann ich sagen: Die „Raubkopierer“ und illegalen oder halblegalen Downloader, die ich kenne, laden sich eigentlich so ziemlich alles herunter, nur keine Bücher. Vielleicht kenne ich diese Art Schurke einfach nicht, wer weiß. Vielleicht ist es aber eher so, dass Filme, Serien und Musik viel interessanter sind. Zumal ich auch nicht verstehe, warum man für Dinge, die tagein, tagaus im Fernsehen und Radio ausgestrahlt werden, überhaupt so viel Geld ausgeben soll.

Angefangen von der VHS sind Filme inzwischen auf so vielen, verschiedenen Medien und in unterschiedlichen Editionen verkauft worden, dass sich die Filmfirmen dumm und dämlich verdient haben müssen. Haben sie wahrscheinlich auch. Und viele Hollywood-Schauspieler haben sicher auch gut verdient, obwohl sie vielleicht von aktuellen BluRay-Verkäufen oder TV-Ausstrahlungen gar kein Geld mehr sehen. Und der deutsche Tatort ist sicherlich auch nicht in Download-Charts zu finden.

Einen neuen Film würde ich mir natürlich nicht als Download ansehen wollen, zumal die Qualität unterirdisch ist. Aber ich gehe auch nur noch ganz selten ins Kino, weil man für den Eintritt plus Aufschläge, Popcorn und Getränke mit der BluRay wohl billiger dran ist, wenn die ein paar Monate später erscheint. Als Familie hat man für so einen Kinobesuch gleich mal 50 Euro weg gehauen.

Ich finde, dahin gehend sollte es tatsächlich eine Änderung des Urheberrechts geben. Der Filmverleih bzw. die Studios sollten dazu verpflichtet werden, ihre alten Sachen selbst als kostenlose Downloads anzubieten. Wer nicht unbedingt eine HD-BluRay von Rocky 4 haben muss, dem reicht vielleicht eine Datei im SD-Format. Für die ganzen alten VHS-Kassetten, Laserdiscs, Video-CDs, UMDs und HD-DVDs, die damals verkauft wurden, bekommt man ja auch keinen Ersatz von den Filmfirmen, nur weil sie nicht mehr mit aktueller Hardware abgespielt werden können.

Bei den Büchern ist es ja schon so, dass man zahlreiche alte Werke kostenlos als eBook downloaden kann, auch wenn bei den meisten die Regelung griff, dass der Autor über 70 Jahre tot sein musste, damit das Urheberrecht erlischt. Aber so weit braucht man ja gar nicht zu gehen, denn damit können diese Werke auch verändert und von jedem neu herausgebracht werden, sie sind also gemeinfrei. Es würde für viele jedoch genügen, wenn die Verlage alte Titel kostenlos anbieten würden, auch als Werbung. Dazu muss der Autor doch noch nicht so lange tot sein. Klar, die Erben haben da auch noch ein Wörtchen mitzureden. Aber vielleicht sieht auch so mancher noch lebender Autor die Chance, seine aktuellen Bücher besser zu verkaufen, wenn er seine alten, vergriffenen Werke als Selfpublisher bei Amazon, etc. kostenlos oder sehr günstig anbietet.

Ich denke also, bei den aktuellen Entwicklungen gibt es kein Grund zur Sorge. Wenn jemand Filme „für umme“ herunterlädt, oder auch mal ein Ebook, dann ist das meiner Meinung nach eine Bagatelle. Anwälte, die von solchen Abmahnungen leben, sollten vielleicht lieber etwas sinnvolles tun, z.B. in die Altenpflege gehen. Da wird doch qualifiziertes personal gesucht. Ok, gut bezahlen will man nicht, aber wenn man sich dann keine Filme auf BluRay leisten kann, dann wird der Ex-Abmahner wenigstens nicht mehr für den Download abgemahnt, oder? Also eine typische Win-Win-Situation.

Klar ist, dass es schon immer Leute gab, die einen Text nehmen und ihn für eine eigene geistige Leistung ausgeben. Das war schon immer verwerflich und sollte auch zukünftig geahndet werden. Doch diese Art Leute findet man ja bekanntlich auch in den höchsten, konservativen Politikerkreisen.

Und wer doch Angst hat, dass irgendein fieser Pirat sein Buch kopiert und es auf einer zwielichtigen, von bösartigen Scripts verseuchten Internetseite uploadet, der sollte einfach dafür sorgen, dass sein Werk eben nicht als eBook erscheint. Der Aufwand lohnt sich dann wohl nur noch bei Harry Potter, und mit dem ist ja bekanntlich schon längst Schluss.

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