Propaganda

Da hatte Obama neulich doch noch gemahnt, die Deutschen sollen nicht so viel russisches Fernsehen schauen (finde ich immer lustig, wenn so hohe Tiere in die gleiche Wenn-man-keine-Ahnung-hat-Falle tappen wie ganz normale Menschen), wegen der Putin-Propaganda. Bei uns läuft die Propaganda-Maschine aber auch gut. Der böse Russe wird wieder salonfähig und in Sachen TTIP greift man ganz tief in die… Scheiße.

Mexiko setzt seit zwei Jahrzehnten auf eine klare Freihandelsstrategie. Mit mehr als 40 Ländern gibt es entsprechende Abkommen. Die Blaupause aller Freihandelsverträge in der Region war das nordamerikanische Abkommen NAFTA mit den USA und Kanada. 20 Jahre nach der NAFTA-Gründung ist deutlich: Mexiko hat die Marktöffnung mehr genützt als geschadet.

Mexiko. Ja ne, is klar…

Den Kommentaren hier ist nichts hinzuzufügen.

Wer heute zur Europawahl noch unschlüssig ist, findet hier einen TTIP-Check.

Vatertag im Baumarkt

Kurzmitteilung

Man redet ja immer über Amazon, deren Algorithmen, was Bücher-Ranking und Werbung angeht. Oft kriege ich Werbung von Dingen, die ich gekauft habe, aber auch von welchen, die ich nur angesehen habe. Und da ich ja als Spielejournalist auch vieles zur Recherche oder zum Besorgen von Covergrafiken anschaue, kommt da auch ordentlich was zusammen. Ab und zu verschicken die aber auch gerne mal Werbung von Dingen, die man sich noch nie angesehen hat. Amazon verkauft ja inzwischen so ziemlich alles, und so habe ich vorhin folgende Werbung gefunden. Der Betreff: Vatertag im Baumarkt.

Liebe Kundin, lieber Kunde,

entdecken Sie Artikel aus dem Baumarkt, die jedes Vaterherz höher schlagen lassen. Akkuschrauber, Bohrmaschinen, Multifunktionswerkzeuge und vieles mehr von Top-Marken reduziert.

 

Ist das nicht dasselbe, als wenn man Mutti einen neuen Topf oder ein anderes Küchenutensil schenkt? Klar, sowas kann man gebrauchen, aber ich bohr ja nicht Löcher in die Wände, weil’s mir Spaß macht und ich nichts anderes zu tun habe. Ich bin immer froh, wenn ich die Bohrmaschine erstmal bei meinem Vater ausleihen muss, dann ist sie nämlich nicht ganz so schnell da. Und wenn jemand wie Heinz Becker drauf ist, dann meckert er vielleicht rum, weil man die falsche Bohrmaschine gekauft hat, mit der er “nix anfange” kann.

Umleitung von Anne-Catrin Jacob

Verlage haben normalerweise Min./Max.-Vorgaben (evt. auch genrespezifische), was die Seitenanzahl angeht. Das eBook hat hier für neue Impulse gesorgt, denn die Dateigröße ist eher nebensächlich. So finden auch andere Literaturformen wie der Kurzroman wieder seine Leser. Dass dies auch in gedruckter Form geht, zeigen beispielsweise Michael Haitel mit seinem Verlag p.machinery (z.B. Blackburn) oder auch Angela Mackert mit dem TextLustVerlag. Aus der Reihe Gaias Schatten habe ich freundlicherweise ein Rezensionsexemplar des vierten Bandes erhalten. Das Buch heißt Umleitung, auf dem Cover ist eine Straßenbahn zu sehen.

Gaias Schatten verbindet die Reihe lose miteinander. Ein Wesen, das viele Gesichter und Formen hat, erkennbar an einem roten Halbmond, bringt Menschen auf die richtige Fährte, wie etwa den Straßenbahnfahrer Tom Köhler, den Protagonisten von Umleitung. Am Anfang des Buches muss dieser den Tod seines Stiefbruders verkraften, der ebenfalls Straßenbahnfahrer war. Am Diebsteig in Dresden, der zum Wenden und Zwischenparken von Straßenbahnen genutzt wird, ist dieser aus unerklärlichen Gründen in den Wald gelaufen und dort ums Leben gekommen. Ein Fremdverschulden wird ausgeschlossen, die Polizei stellt die Ermittlungen ein. Doch Tom lässt das keine Ruhe. Und in seinen Träumen sieht er immer wieder eine alte Frau mit einem roten Halbmond auf dem Handrücken. Die Hinweise, die Tom findet, lassen das Ganze noch unerklärlicher erscheinen.

Umleitung ist ein kurzer Mystery-Krimi, bei dem manches nur vorhersehbar ist, weil sich die Autorin sehr daran hielt, keine unwichtigen Personen, Erwähnungen oder Begebenheiten einzubauen. Das ist aber auch in vielen Filmen nicht anders und nicht für jeden ersichtlich. Der Kurzroman ist sehr spannend erzählt und langweilt nie, was bei der Länge natürlich auch nicht sein darf. Am Ende gab es dann doch ein paar Dinge, bei denen man sich ein bisschen was dazu denken muss.

Den letzten Abschnitt hätte ich persönlich weg gelassen, aber das ist wohl Geschmackssache. Es sei denn, die Autorin hat ein Wiedersehen mit den Charakteren geplant, dann wäre es so passender.

Wer, vielleicht mangels Zeit, gerne kürzere Happen liest, sollte die Reihe Gaias Schatten also im Auge behalten. Inzwischen ist auch schon Band 5 erschienen.

Little Brother – Die Gewinnerin

So, die Woche ist nun (mehr als rum) und ich habe mich für eine Gewinnerin entschieden.

Am meisten habe ich mich über die Antwort von Sira amüsiert. Beim Thema neues Voynich-Manuskript und Dialektverschlüsselungen kommen mir automatisch aberwitzige Szenen in den Kopf – und ganz schön dumm aus der Wäsche schauende NSA-Mitarbeiter. Am besten natürlich hochrangige!

Ich war sowieso schon immer der Meinung, dass dieses ominöse Manuskript aus purem Blödsinn “geschrieben” wurde. Der Autor war also vielleicht ein früher Andy Kaufman. Oder: Jemand, der nicht lesen konnte beauftragte jemanden ein Buch zu schreiben (ohne zu wissen, dass dieser gar nicht schreiben kann). Da könnte man auch was daraus machen.

Aber die Antworten zeigen auch, dass über das Thema NSA noch sehr viel diskutiert und geschrieben werden kann. Da werde ich wohl am Ball bleiben.

@Sira: Du bekommst eine eMail!

Little Brother – Blogger schenken Lesefreude

Heute ist es soweit, der Welttag des Buches findet statt und damit auch die Aktion “Blogger schenken Lesefreude”. Bücher haben uns auch schon immer die Gefahren aufgezeigt, denen normale Menschen durch die Obrigkeit ausgesetzt sind, so beispielsweise in “1984”.

Auch Little Brother von Cory Doctorow ist so ein wichtiges Buch, dessen Gefahren viel zu schnell real geworden sind. Die NSA und andere Geheimdienste sind außer Kontrolle geraten, schnüffeln alle aus und das nur noch zum Selbstzweck. Allein wenn man bedenkt, wie gut es der Menschheit gehen würde, wenn zahlreiche Menschen mit unnötigen Jobs, wie z.B. bei Geheimdiensten, sinnvollen Tätigkeiten nachgehen würden.

Was müsst ihr also tun, um an das Buch zu kommen? Ich dachte zuerst an einen Plan, wie man der NSA ein Schnippchen schlagen oder es ihnen zumindest ein wenig heimzahlen könnte. Da wären aber vielleicht so viele gute Pläne dabei, die die NSA dann per Google-Übersetzer… Naja, so schlimm wäre es vielleicht doch nicht.

Ok, hier kommt eure Aufgabe: Schreibt in den Kommentaren, was ihr gerne mal mit der NSA bzw. deren Mitarbeitern oder Chefs machen würdet. Zuparken, eine Riesenlieferung Pizza bestellen, anrufen und nach Herr Dünnsch fragen, Screenshot vom Desktop machen, als Hintergrund verwenden und alle Verknüpfungen löschen… Lasst eurer Kreativität freien Lauf! In einer Woche suche ich die beste Idee aus und küre sie mit “Little Brother” von Cory Doctorow.

Blogger schenken Lesefreude – Piraten haben gar nichts zu verschenken

Die eigenen Bücher verschenken kann ja jeder! Das habe ich schon bewiesen…

Die Bücher von anderen… Nein, ich bin nicht unter die Buchpiraten gegangen! Die verschenken doch nicht einmal Bücher, sondern verlangen Geld für ihren “Service” und beklagen sich dann darüber, wenn sich die Leute nur stöbern, und sich die Bücher anderswo kostenlos laden. Also genau so, als wenn man im Buchladen in die Bücher schauen und per Smartphone auf Amazon bestellen würde. Oder als wenn man bei Amazon stöbern und dann auf die Piratenseite gehen würde.

Schlimm, schlimm! Die armen Buchpiraten. Von was sollen die denn leben, wenn niemand mehr für ihren “Service” bezahlt. Wer füttert ihre Kinder, Katzen und Hunde durch? Wer bezahlt die Tankfüllung für den Benz? Wer bezahlt den Lohn der Angestellten? Also die, die in den Einzelhandelsläden der selbstständigen Buchpiraten arbeiten. Vermutlich kriegen die aber ja nicht einmal den Mindestlohn…

Da ist es für manche Buchpiraten natürlich prima, wenn man dem Leser (oder “Nutzer”, wie die Piraten den “Leser” nennen) ein Feindbild bescheren kann: Der Autor. Der Autor ist ja so böse, nur aufs Geld aus und sitzt gerne im Elfenbeinturm mit der dicken Zigarre in den Mundwinkeln hinter einem Schreibtisch, der Rajesh Koothrappali und George Costanza vor Neid erblassen lassen würden. Erst nachdem die Piraten den Elfenbeinturm beschädigt  haben, das Geld ausbleibt und der Autor deswegen seine Felle davon schwimmen sieht, erst jetzt kümmert er sich um den Leser. Vorher war der Leser dem Autor nämlich schnurzpiepegal.

Wie es Andreas Eschbach, Tom Liehr und andere schon deutlich gemacht haben: Wenn es dem Autor nur ums Geld gehen würde, fände er sicher leichtere Methoden als zu schreiben.

Also habe ich jetzt tatsächlich etwas zu verschenken, denn zum Welttag des Buches am 23.4.2013 läuft wieder die Aktion “Blogger schenken Lesefreude”. Dabei machen viele Blogs mit und verlosen Bücher. Meine kompletten, bisherigen eBook-Einnahmen sind dabei für den Preis draufgegangen: Little Brother von Cory Doctorow.

Kurz nachdem das Buch bei mir ankam, bekam ich auch eine Mail von einem Verlag, dass ich mir gerne einen Preis aus seinem Verlagsprogramm aussuchen könne. Dankeschön! Aber vielleicht nehme ich das Angebot wahr und verlose eben noch ein zweites Buch. Denn Little Brother finde ich einfach zu wichtig. Wie ein Kollege von mir treffend bemerkte: “Es ist selten, dass ein Buch plötzlich das Genre wechselt, von der Dystopie zur Gegenwartsliteratur. Ohne dass sich an dem Buch selbst etwas ändert.”

Demnächst also mehr zum Thema Blogger schenken Lesefreude.

Und morgen nehme ich mir eine dicke Zigarre, setze mich hinter den Schreibtisch des Chefs des Chefs meines Chefs, lege die Füße hoch und… Ne, das lass ich dann doch lieber bleiben, wenn ich weiterhin Geld verdienen will.